Ausstellungseröffnung über Jüdische Mädchenschule Wolfratshausen in der Synagoge

Mit einem Festakt im historischen Rathaussaal wurde die Wanderausstellung „Wir lebten in einer Oase des Friedens“ über die Geschichte der jüdischen Mädchenrealschule Wolfratshausen eröffnet. Die Ausstellung selbst ist bis Mitte September in der Sulzbacher Syagoge zu sehen (Öffnungszeiten Mittwoch und Sonntag von 14 bis 17 Uhr). „Dies ist bisher der schönste Ort, an dem wir die Ausstellung zeigen“, sagte Dr. Sybille Kraft vom Historischen Verein Wolfratshausen zur Sulzbacher Synagoge.

1938 gab es mit der jüdischen Mädchenschule Wolfratshausen noch einen Ort, wo jüdische Mädchen ohne Verfolgung leben und zur Schule gehen konnten. Die Ausstellung zeigt Dokumente aus dem Leben der jüdischen Mädchenschule Wolfratshausen, 1926 vom Jüdischen Frauenbund gegründet, um jüdischen Mädchen eine land- und hauswirtschaftliche Ausbildung zu geben. Besondere Bedeutung hat die Schule nach 1933 bekommen, weil im damals abgelegenen Isartal der Verfolgungsdruck noch nicht so spürbar gewesen war wie in den großen Städten. In der Progromnacht 1938 jedoch mussten die Lehrer und Schülerinnen binnen zwei Stunden das Haus verlassen, das ihnen zur zweiten Heimat geworden war.

Vor ca. 15 Jahren hat der Historische Verein Wolfratshausen begonnen, die Geschichte dieser Mädchenschule zu rekonstruieren. Nach schwierigen Nachforschungen gelang es schließlich, Kontakt zu fast hundert ehemaligen Schülerinnen zu knüpfen. Aus Interviews mit zwölf dieser ehemaligen Schülerinnen entstanden Interviews für ein bewegendes Filmdokument.

Zwei Personen der Schule haben einen direkten Bezug nach Sulzbach-Rosenberg:
1. Charlotte Stein-Pick war von 1932-1938 die ehrenamtliche Vorsitzende des Kuratoriums der Haushaltsschule in Wolfratshausen. Frau Stein-Pick war seinerzeit mit Herbert Stein verheiratet, dem Sohn des letzten jüdischen Lehrers in Sulzbach. Die Steins konnten eine Thorarolle und 2 Kidduschbecher aus Sulzbach bei ihrer Emigration retten.

2. Im Namensregister der Schülerinnen des Begleitbandes wird Ruth Prager aus Sulzbach 1932 als Praktikantin genannt. Ruth war eine Tochter des letzten Sulzbacher Juden David Prager, dessen Familie 1934 und 1936 in die USA emigrieren konnte.

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