STADTRUNDGANG SULZBACH

Informationen zum Rundgang

Wir schlagen Ihnen hier einen Rundgang durch den Stadtteil Sulzbach vor, für den Sie ca. 2 Stunden brauchen. Die Beschreibung der Stationen ist der Broschüre „Sehenswert“ entnommen, die Sie sich bei der Tourist-Information holen oder hier downloaden können. Wenn Sie mehr oder weniger Zeit haben, können Sie sich daraus auch Ihren eigenen Rundgang zusammenstellen.

Weitere Informationen

Tourist-Information

Beginnen Sie Ihren Rundgang durch Sulzbach am Rathaus.

1. Gotisches Rathaus

Es entstand zwischen 1456 und 1470 an der Stelle eines Vorgängerbaus das spätgotische Rathaus in einer einzigen Bauphase. Es besteht aus zwei miteinander verbundenen Gebäudeteilen, dem Saalbau und dem Querbau. Im Untergeschoss befand sich ursprünglich das „Einkaufszentrum“ mit Brot- und Fleischbank und anderen Läden. Dort finden Sie heute die Tourist-Information und weitere Büros. Im Obergeschoss übte der Landesherr die hohe Gerichtsbarkeit aus, der Rat der Stadt tagte hier und große Festlichkeiten wurden hier veranstaltet. Die Fassade wurde 2004 wieder in der Farbfassung der Erbauungszeit wiederhergestellt. Beeindruckend ist die Hauptfassade mit polygonalem, saalhohem Erker über neugotischem Portal.

Gehen Sie nun Richtung Luitpoldplatz, dem Zentrum der Altstadt. Von hier sehen Sie die Schlossanlage im Westen und die Stadtpfarrkirche zu Ihrer Rechten.

2. Die Stadtpfarrkirche St. Marien

An dem südöstlichen Strebepfeiler des Chors sehen Sie die lebensgroße Steinfigur des hl. Wenzel mit den Porträtzügen Kaiser Karls IV. auf einer Blattkonsole unter einem Baldachin. Kaiser Karl IV. sandte 1355 aus Pilsen Reliquien für den Neubau der Stadtpfarrkirche. Nach dem Chor folgte ab 1412 die Errichtung des Langhauses. Ab 1488 wurde die Kirche nach Norden und Süden durch Hans Behaim d. Ä. mit doppelgeschossigen Familienkapellen erweitert. So entstand ein dreischiffiger, gewölbter Raum, der vom Typus zwischen Halle und Basilika steht. Im Jahr 1526 wurde eine dreischiffige Westempore mit zwei Wendeltreppen eingezogen. Johann Rampino errichtete 1692 bis 1696 den zuvor eingestürzten Kirchturm. Nach einem Entwurf Pfalzgraf Theodor Eustachs entstand 1710/11 der Hochaltar mit dem Altarblatt von Hans Georg Asam. Die Kirche ist tagsüber geöffnet. Südlich der Stadtpfarrkirche sehen Sie auf dem Boden den Grundriss der ehemaligen Friedhofskirche St. Leonhard.

Überqueren Sie den Luitpoldplatz, und gehen Sie neben dem Gasthaus „Bayerischer Hof“ die Einfahrt zum Schloss hoch.

3. Das Sulzbacher Schloss

Das Sulzbacher Schloss war vom 8. bis 12. Jahrhundert ein bedeutendes Herrschaftszentrum auf dem Nordgau und gehört zu den frühesten mittelalterlichen Anlagen in Bayern. Die damaligen Burgherren aus dem karolingischen Hochadel ließen eine Reihe von Gebäuden errichten. Darunter auch die Burgkapelle, die sich bis heute größtenteils im aufgehenden Mauerwerk des Kapellenbaus erhalten hat. Wohl ab 1003 kam die Burg an die Grafen von Sulzbach, was größere Baumaßnahmen nach sich zog. Bereits unter Kaiser Karl IV. war das Schloss weitgehend in der Form angelegt und ausgebaut, in der es auch heute noch besteht. Der das Erscheinungsbild des Schlosses prägende Palas wurde um 1300 erbaut. Ab 1582 war das Sulzbacher Schloss dann Wittelsbacher Residenz und eine der größten Schlossanlagen der Wittelsbacher in Nordbayern. Der Augustbau schloss zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Ensemble im Norden. In seinem Inneren können die Grundmauern des romanischen Bergfrieds besichtigt werden. Stadtbibliothek und Städt. Sing- und Musikschule befinden sich in der ehemaligen Schlosskaserne im unteren Schlosshof. Vom Schloss haben Sie westlich einen herrlichen Rundblick Richtung Nürnberg, südlich den ehemaligen Stadtgraben, südöstlich den Stadtpark und in der Entfernung die frühere Maxhütte, östlich die Bastei und die Annabergkirche.

Verlassen Sie die Schlossanlage über die untere Einfahrt. Vor sich sehen Sie das ehemalige Salesianerkloster, in dem heute die Polizei untergebracht ist. Nach dem Tor wenden Sie sich nach rechts. Vor sich sehen Sie nun die

4. Klosterkirche St. Hedwig

Am 25. Juni 1753 legte Eleonore Philippine, die Witwe des Pfalzgrafen Johann Christian, den Grundstein zum Salesianerinnenkloster. Unter der Leitung des Amberger Stadtbaumeisters Wolf Dirmann wurde der Klosterbau im Bereich des ehemaligen fürstlichen Ballhauses ausgeführt und 1755 vollendet. Das Kirchengebäude folgte 1762 bis 1765, ein einschiffiger Bau mit eingezogenem, halbrund geschlossenem Chor. Im gebrochenen Giebelfeld des Portals mit zwei Säulen ist das Doppelwappen Pfalz-Sulzbach und Hessen-Rheinfels-Rothenburg dargestellt. Das Hochaltarbild der hl. Hedwig schuf 1765/66 der berühmte Maler Otto Gebhard von Prüfening.

Gehen Sie die Klostergasse Richtung Osten und biegen Sie dann rechts ab in die Bergstraße. Über eine Treppe können Sie die Serpentine in der Straße abkürzen. Unten angekommen sehen Sie das Gasthaus „Zum Bochbeck“. Biegen Sie nun rechts ab in die Obere Bachgasse. Am Ende der Straße stoßen Sie auf die

5. Fürstenquelle

Nach der Legende traf Graf Gebhard II. hier bei einem Jagdausflug auf sechs Wäscherinnen. Aus Dankbarkeit, weil sie ihm zu trinken gaben, gründete er in Sulzbach eine Burg und nahm die sechs Wäscherinnen in Form der sechs Lilien in sein Wappen auf.

Gehen Sie Auf der Rahm an der Stadtmauer entlang wieder östlich. Besonders faszinierend sind hier die kleinen Terrassengärten, die sich überall in Sulzbach finden. Folgen Sie Auf der Rahm bis Sie zur Kreuzung mit der Synagogenstraße kommen. In der Synagogenstraße befindet sich rechts die

6. Ehemalige Synagoge

Das 1826/27 über den barocken Resten des Vorgängerbaus von 1740 neu errichtete Gebäude galt als eine der schönsten Synagogen in Bayern. Seit den 1920er Jahren konnte kein Gottesdienst mehr in der Synagoge abgehalten werden, da es die notwendige Anzahl von mindestens zehn männlichen Gemeindemitgliedern (Minjan) nicht mehr gab. Die nationalsozialistische Stadtführung suchte geeignete Räume für das 1907 eröffnete Heimatmuseum und mietete ab 1934 die „frühere Juden-Synagoge“ an. Nach Auflösung der seit 1666 bestehenden jüdischen Gemeinde am 24. Dezember 1936 erwarb die Stadt das Gebäude gegen eine Abfindung von 1000 RM, so wurde es vor einer Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 bewahrt. Die ehemalige Synagoge wurde 1950 an Privat veräußert und zu Wohnzwecken umgebaut. 2008 erwarb die Stadt Sulzbach-Rosenberg das Gebäude. Ziel der anschließenden Sanierung war die Wiederherstellung des historischen Innenraums einschließlich der raumprägenden Kuppel. Seit 2013 dient die sanierte Synagoge als Erinnerungs- und Begegnungsstätte mit musealer Präsentation zur Geschichte der Sulzbacher Juden. Gegenüber der Synagoge liegen die frühere Judenschule und das einstige Rabbinerhaus. Der jüdische Friedhof weit draußen vor der Stadt birgt Grabmäler des späten 17. bis frühen 20. Jahrhunderts.

Folgen Sie der Synagogenstraße aufwärts und biegen Sie rechts in die Rosenberger Straße. Schräg gegenüber sehen Sie das

7. Literaturarchiv

Der mächtige dreigeschossige Neurenaissancebau wurde 1905 als königliches Amtsgericht errichtet. Unter dem Motto „Amtsschimmel raus, Pegasus rein“, hielt nach dessen Auflösung im Jahr 1976 das durch Walter Höllerer gegründete Literaturarchiv Einzug in das Gebäude. Archiv und ständige Ausstellung eröffnen einen Blick auf die deutschsprachige Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Das Literaturarchiv veranstaltet regelmäßig Autorenlesungen.

Sie biegen nun die zweite Straße rechts in die Frühlingstraße ein. Am Eck steht das

8. Weissbeckhaus

Als eines der schönsten und besterhaltenen gotischen Bürgerhäuser in Bayern wird das Weißbeckhaus, erbaut um 1487/88, bezeichnet. Kennzeichen sind der hohe Stufengiebel, der übereck gestellte Kastenerker und das spätgotische Spitzbogentor mit gekreuzten Stäben im Gewände. Baumeister war Hans Behaim der Ältere.

Folgen Sie der Frühlingstraße und biegen Sie dann rechts in die Bühlgasse ein. Hier gehen Sie am Seniorenzentrum Bühler Höhe, dem ehemaligen Krankenhaus von Sulzbach, vorbei und an der Stadtmauer entlang. Die Bühlgasse trifft am Ende auf die Spitalgasse. Linker Hand sehen Sie nun die

9. Spitalkirche St. Elisabeth

Unter Herzog Johann Christian wurde 1733 bis 1738 als Kirche des neu gegründeten Kapuzinerhospizes die heute simultane Spitalkirche St. Elisabeth – ehemals St. Johannes – erbaut. Die einfache rechteckige Anlage mit leicht gewölbtem Chor und flach gedecktem Schiff trägt als Bettelordenskirche nur einen Dachreiter mit eingeschnürter Zwiebelhaube. 1804 erhielt die Kirche ihr heutiges Patrozinium. Das Altarbild zeigt die hl. Elisabeth und ist ein Gemeinschaftswerk von Hans Georg und Cosmas Damian Asam. Sehenswert: ein Kruzifix um 1400, sowie die Orgel von Elias Hößler und Heinrich Blum, 1743 angefertigt.

Folgen Sie der Spitalgasse in Richtung Rosenberger Straße und überqueren Sie diese. Vor sich sehen Sie den Stadtturm, der anstelle des früheren Rosenberger Tores hier errichtet wurde. Folgen Sie der Langen Gasse weiter an der Stadtmauer entlang. 

10. Die Stadtmauer

Die erste Stadtmauer mit vier Toren wurde um 1300 entlang dem heutigen Marktviertel errichtet. Bereits 100 Jahre später hatte sich die Fläche der Stadt fast verdreifacht, sodass eine neue, auch heute noch in vielen Bereichen erhaltene Wehrmauer errichtet wurde. Sie umschließt im Süden die Fürstenquelle. Nach Norden und Osten waren der Mauer gewaltige Gräben vorgelegt, auf deren Schanzen Pfalzgraf Theodor Eustach 1729 die Baumallee anlegen ließ.

Überqueren Sie die Neutorgasse und genießen Sie die romantischen kleinen Häuser an der Stadtmauer. Die Lange Gasse mündet in die Pfarrgasse und Sie befinden sich jetzt hinter der Christuskirche.

11. Evangelische Christuskirche

Nach der Auflösung des Simultaneums für die Stadtpfarrkirche im Jahr 1957 errichtete der Architekt Gustav Gsaenger nach dem Vorbild der Münchner Matthäuskirche den Neubau der evangelischen Christuskirche. An der Nordseite ist an den rechteckigen Saalbau mit Nord- und Westempore ein wuchtiger quadratischer Turm angesetzt. Die Altarwand ist durch ein monumentales Marmormosaik mit dem himmlischen Jerusalem von Angela Gsaenger gestaltet, an der Ostwand hängt das hölzerne Epitaph des Ulrich Sitzinger (1587).

Wenden Sie sich nach rechts und folgen Sie der Pfarrgasse. Sie sehen dann rechter Hand die

12. Ehemalige Lateinschule und Gymnasium Illustre

Die Entstehung der Sulzbacher Lateinschule reicht bis ins späte 13. Jahrhundert zurück. Pfalzgraf August gründete 1616 in Sulzbach ein Gymnasium Illustre und brachte es in dem bereits bestehenden Gebäude der Lateinschule unter. Diese „Hochschule“ entwickelte sich bald zu einer der bedeutendsten Schulen dieser Zeit mit weitem Einzugsgebiet. Heute ist hier das katholische Pfarrzentrum untergebracht.

Gehen Sie weiter die Pfarrgasse in Richtung Stadtpfarrkirche entlang. Nun sehen Sie zu ihrer Linken das evangelische Dekanat.

13. Evangelisches Dekanat

Erstmals wird 1252 ein Pfarrer für Sulzbach erwähnt. Seine Unterkunft ist an der Stelle des heutigen evangelischen Dekanats zu suchen, dessen ältester Bauteil nach 1300 an die erste Stadtmauer in Stein angebaut wurde. Nach 1400 erfolgte eine erste Erweiterung und 1829 eine weitere Vergrößerung um circa ein Drittel.

Die Pfarrgasse mündet gegenüber des Rathauses wieder in den Luitpoldplatz. Das Gebäude, das Sie nun linker Hand sehen, ist der ehemalige

14. Gasthof zur Goldenen Krone

Viele berühmte Persönlichkeiten verweilten bereits hier, unter anderem auch Kaiser Karl IV und Jan Hus.

Der Brunnen auf dem Vorplatz wurde von dem Etzelwanger Künstler Peter Kuschel gestaltet und zeigt wichtige Stationen in der Sulzbacher Geschichte. Zum Abschluss können Sie noch die Historische Druckerei auf der gegenüberliegenden Straße besuchen. Durch den Torbogen der dort ansässigen Buchhandlung gelangen Sie in den bezaubernden Innenhof, der mit der Statue der Minerva bestückt ist.

15. Historische Druckerei J. E. v. Seidel

Bis 1664 lässt sich Sulzbachs Druckerei-Tradition zurückführen (ab 1708: vier Offizinen). Der Druckereisaal am Marktplatz (Luitpoldplatz 4) wurde 1862 errichtet. Damals zog der überregional bedeutende Verlag J. E. v. Seidel samt Buchdruckerei vom Schloss, wo man seit 1807 untergebracht war, hierher. Besitzer war bereits seit 1854 Friedrich Pustet (Regensburg), der den Sulzbacher Betrieb als Filiale führte und 1877 an Hans Wotschack weitergab. Die Firmengeschichte ist eng mit dem regionalen Pressewesen verbunden. So wurde in diesen Werkstätten bis in die Zeit des 2. Weltkriegs die Lokalzeitung hergestellt, deren erste Ausgabe von 1771 datiert. Nach diversen Rückschlägen (verursacht u.a. durch die Nationalsozialisten) ging der Druckereibetrieb nur noch vermindert weiter, bis er 1976 zum Erliegen kam. Der Druckereisaal mit interessanter Ausstattung fiel in einen Dornröschenschlaf. Aus diesem wurde er im Sinne Ingo Wotschacks, bis 2006 letzter Inhaber der Buchhandlung Seidel, und seiner Erben jüngst geweckt und als Kulturraum mit faszinierender Ausstrahlung öffentlich erschlossen – gerade rechtzeitig zum 250. Geburtstag des Verlagsgründers J. E. v. Seidel im Jahr 2008.

Wenn Sie zum Abschluss Ihres Rundgangs eine Stärkung brauchen, finden Sie rund um den Luitpoldplatz verschiedene Möglichkeiten zur Einkehr.

 

Texte Sehenswürdigkeiten: Johannes Hartmann, Markus Lommer, Elisabeth Vogl

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